Jeder Mensch hört anders: Das liegt in unserer DNA

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Desoxyribonukleinsäure oder kurz DNA ist der Schlüssel des menschlichen Lebens. Dadurch unterscheidet sich ein Individuum von allen anderen auf der Welt, dadurch wird jeder Mensch einzigartig. Die Doppelhelix-Struktur der DNA wird aus einer Anordnung von vier Basen mit den Abkürzungen A, C, T und G gebildet. Diese einzigartige Anordnung von Basen bildet eine Sequenz, die für Aminosäuren spezifisch ist. Während der Proteinsynthese, dient diese Aminosäure-Sequenz als Aufbaublock für das jeweilige Protein.

Auf welche Weise bestimmt die DNA mein Hörvermögen?

Warum erkläre ich die Rolle der DNA in unserem Körper auf eine so wissenschaftliche Weise? Weil es ohne Einsicht in diese grundsätzlichen Mechanismen fast unmöglich zu begreifen ist, dass kein Mensch die gleichen Töne auf dieselbe Weise hört, wie ein anderer. Wir alle sind aus unterschiedlichen Aminosäure-Sequenzen zusammengesetzt, aus einzigartigen Anordnungen, die bei niemand anderem vorkommen – ausgenommen dem seltenen Fall von eineiigen Zwillingen. Ebenso kann ein Musikstück zu 10.000 Radiohörern übertragen werden und dennoch gibt es nicht zwei dieser Hörer, die den Song auf die gleiche Weise hören. Das ist von großer Bedeutung, denn es besagt: Wenn Sie einen Song hören, werden die Klänge durch Ihren Gehörgang auf einzigartige Weise übertragen werden. Sie hören den Song auf ganz individuelle Weise. Gerne würden wir alle den besten Klang durch unsere Ohren erleben, indem wir auf diese einzigartige Fähigkeit bauen. Doch Schwerhörigkeit beraubt viele Hörer der Fähigkeit, ihre Musik weiterhin auf ihre individuelle Weise zu genießen.

DNA und Schwerhörigkeit

Aus verschiedenen Gründen verlieren wir alle ab einem gewissen Alter an Hörfähigkeit. Viele der Ursachen für Schwerhörigkeit sind bekannt, wie etwa unvermeidbare altersbedingte Schwerhörigkeit, aber auch Belastung durch große Lautstärken oder Schäden durch Erkrankungen des Innenohrs. Die Gründe für plötzlichen Hörverlust sind noch unbekannt. Die Forschung diskutiert darüber, ob manche Formen von Hörverlust durch DNA-Mutationen verursacht sein könnten, durch Viren oder Strahlenschäden. Trotzdem besteht Einigkeit darüber, dass Hörverlust ganz individuell entsteht, kaum ein Hörprofil gleicht dem anderen. So können wir sagen, dass unsere Hörprofile sich untereinander genauso stark unterscheiden wie unsere DNA.

Wie können wir unsere Musik am besten hören?

Warum sollte Musik dann auf die immer gleiche Weise dargeboten werden? Wenn wir alle schon so verschieden sind, von unserer DNA bis zu den Hörprofilen, warum passen wir die Musik nicht unseren individuellen Hörprofilen an? Wenn Musiker ein Stück aufnehmen, 9 beabsichtigen sie eine Wirkung auf den Zuhörer, sie möchten Emotionen und einen Gemütszustand vermitteln. Doch angesichts unserer individuellen Natur ist es, wie gesagt, fast unmöglich, die Details, auf die es dem Musiker ankommt, vollständig zu vermitteln. Durch Hörverlust verlieren Zuhörer abhängig von ihrem einzigartigen Hörprofil die Fähigkeit, bestimmte Frequenzen wahrzunehmen.

Angesichts der unterschiedlichen Hörprofilen entsteht das Bedürfnis Musik auf individuelle Weise zu hören. Ein gutes Vergleichsbeispiel ist das Sehen: Das Sehen unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Beeinträchtigungen wie Kurz-, Weit- oder Alterssichtigkeit zwingen manche Menschen, Brillen oder Kontaktlinsen zu tragen, um normal zu sehen. Brillen verbessern die individuelle Sehfähigkeit, sie stellen eine personalisierte Anpassung des Sehens dar. Stellen Sie sich vor, wir alle würden unsere Sehschwächen vernachlässigen, so wie wir es mit unseren Hörverlusten tun! Wir würden ohne unsere Brillen fernsehen und uns darüber beklagen, dass die Bildqualität derart zu wünschen übrig lässt! So wie beim Sehen sollte es im Hören jedem möglich sein, Zugang zu personalisierten Klängen entsprechend der Hörfähigkeit zu erhalten. Realwire.com zufolge verbringt der Durchschnittsmensch 13 Jahre seines Lebens mit Musikhören. Wäre es nicht eine gute Idee, dieses Vergnügen durch Personalisierung noch um einiges zu steigern?

Ruby Bouwmeester