Wie das Ohr funktioniert

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Wie das Ohr funktioniert Ach, das bescheidene Ohr, das unter zerzaustem Haar oder den neuesten Kopfhörern versteckt wird, das in unseren Jugendjahren alle Arten schlichtester Teenagermusik ertragen muss, das nach Nächten in dubiosen Clubs dröhnt und klingelt. Eines ist jedenfalls sicher: Wir nehmen auf unsere Ohren zu wenig Rücksicht. Aber wir möchten Ihnen helfen, die Funktionsweise des Ohrs kennen zu lernen, damit Sie eines der am stärksten beanspruchten und am meisten vernachlässigten Sinnesorgane so zu schätzen, zu verstehen und zu schützen lernen, wie es ihm gebührt.

 

Wenn aus Dreien Eines wird

Das Ohr besteht aus drei Teilen, die zusammenwirken, damit Sie hören können, was in der Welt um Sie vor sich geht: Dem Außenohr, dem Mittelohr und dem Innenohr.

 

Das Außenohr

Mit diesem hübschen Teufel, bekannt als Pinna, sind wir in unserem Alltagsleben am besten vertraut. Wir piercen es, kratzen es, manche können damit sogar wackeln. Aber es ist der Äußere Gehörgan, in dem die wahre Magie liegt (und manchmal Ohrenschmalz, das vorwiegend dazu dient, Insekten abzuschrecken, die Bitteres verabscheuen). Dieser Gehörgang analisiert die Töne zum Mittelohr.

 

Das Mittelohr

Schallwellen wandern durch den Gehörgang und lassen das Trommelfell ibrieren. Dieses hat Ähnlichkeit mit der Membran eines Lautsprechers und ist direkt mit Hammer, Ambos und Steigbügel erbunden. iese drei Komponenten sollen nicht etwa den Namen für eine Indie-Band der 90er abgeben, sondern sie haben eine besondere Aufgabe. Diese winzigen Gehörknöchelche, die kleinsten Knochen in unserem Körper, leiten mechanische Schwingungen weiter, fast wie ein Dominoeffekt der Vibration, durch die die Schallwellen in das Innenohr weitergeleitet werden, wo der Klang in Nervensignale umgewandelt wird.

 

Das Innenohr

Der für das Hören zuständige Teil des Innenohrs wird nach dem lateinischen Wort für Schnecke auch als Cochlea ezeichnet, weil es einem Schneckenhaus erstaunlich ähnlich ist. Diese mit Flüssigkeit gefüllte Kammer verwandelt die von den Gehörknöchelchen empfangenen Schwingungen in elektrische Impulse, die durch den Hörnerv an das Gehirn weitergegeben werden, wo die Klanginformationen dann weiter verarbeitet werden. Ja, richtig gelesen – wir hören durch Elektrizität. Wir verkörpern also selbst die allerersten und digitalen Musikplayer, viel älter als selbst die analogen Plattenspieler. Lasst Euch das gesagt sein, Hipster! 

 

Das Cortische Organ: Wie wir Tonhöhen wahrnehmen

Der faszinierendste und komplexesten Teil des Ohrs wird als Cortisches Organ ezeichnet, weil es wie eine Orgel verschiedene Tonhöhen für das Gehirn spielt. Es zieht sich spiralförmig durch die Gehörschnecke und verändert graduell seine Form und Festigkeit, sodass es von Anfang bis Endeauf verschiedene Frequenzen gestimmt ist. Dieser ganzen Konstruktion ist es zu verdanken, dass wir hohe Töne von tiefen Tönen so gut unterscheiden können.

Das Cortische Organ besitzt eine Fülle von Sinneszellen, sogenannte „Haarzellen“, die mit Nervenfasern verbunden sind. Je nachdem, wo eine solche Zelle im Cortischen Organ sitzt, ist sie empfänglich für hohe, mittlere oder tiefe Töne, um das gesamte Klangspektrum abzudecken. Und da diese Zellen, wie man sich vorstellen kann, außerordentlich klein, zart und tief im Ohr sitzen, lassen sie sich nicht reparieren. Darum lässt sich eine Beschädigung nicht rückgängig machen.

Glücklicherweise aber besitzen wir 16-20.000 Haarzellen auf jeder Seite, also kein Grund zur Panik. Sie können jedoch durch zunehmendes Alter, exzessive Lautstärke oder spezielle Krankheiten wie die Morbus Menière beschädigt werden.

Das heißt, Ihr Ohr ist nichts Geringeres als ein Wunderwerk. Es ist das eigentliche Instrument, das mit den Tönen, von denen Sie umgeben sind, schwingt und diese zugleich zum Vergnügen des lauschenden Gehirns interpretiert. Nehmen Sie darauf Rücksicht, das ist das wenigste, was Sie tun können.

Ruby Bouwmeester